5 Fragen an Autoneum-CEO: Wie wachsen Sie im kriselnden Automarkt?
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Höfner Volksblatt  
29. Juli 2026

5 Fragen an Autoneum-CEO: Wie wachsen Sie im kriselnden Automarkt?

Der Autozulieferer Autoneum ist im ersten Halbjahr 2026 trotz einer weltweit rückläufigen Autoproduktion gewachsen. CEO Eelco Spoelder setzt dabei auf China sowie innovative Produkte, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP sagt.

AWP: Herr Spoelder, der weltweite Automarkt ist in der Krise, doch Sie wachsen als Autozulieferer, wenn man die Wechselkurseffekte ausklammert. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Eelco Spoelder: Wir haben 2024 unsere neue globale Strategie „Level Up“ definiert und setzen diese konsequent um. Wir haben unsere Position in China gezielt gestärkt und dort im vergangenen Jahr zwei Unternehmen übernommen. Jetzt profitieren wir von dieser breiteren Aufstellung.

AWP: In China liefern Sie an wichtige Player wie BYD. In Europa, und insbesondere Deutschland, häufen sich hingegen die Negativschlagzeilen der Autobauer. Was ist Ihre Prognose für diesen Markt?

ES: Wir gehen in Europa dieses Jahr von einer stabilen Autoproduktion aus, wobei sich die Entwicklung je nach Hersteller und Segment unterschiedlich darstellt. Dabei dürften neue, chinesische Autohersteller weitere Marktanteile gewinnen – auf Kosten der „klassischen“, europäischen Marken. Die Qualität der chinesischen Autos ist mittlerweile wettbewerbsfähig, und sie sind oft deutlich günstiger. Für uns ist das kein Problem, da wir alle Produzenten bedienen.

AWP: Haben Sie als Schweizer Unternehmen keine Bedenken, wenn sich chinesische Anbieter ausbreiten – zum Beispiel wegen Datenschutz und Abhängigkeiten?

ES: Nein, solche Bedenken stehen für uns nicht im Vordergrund. Wir beliefern mit unseren weltweit 70 Fabriken lokal alle Autohersteller, also auch alle chinesischen und japanischen. Da differenzieren wir nicht nach Nationalität. Als Schweizer Firma ist es wichtig, weltweit aufgestellt zu sein und alle Kunden zu bedienen.

AWP: Schauen wir uns noch Ihre operative Leistung an. Sie haben Ihre operative Marge im ersten Halbjahr überraschend stark gesteigert. Wie ist das gelungen?

ES: Wir setzen auf Effizienzmassnahmen, Standortoptimierungen und Portfoliobereinigungen. Ausserdem richten wir uns auf zukunftsfähige Innovationen aus, wie zum Beispiel Schutzverkleidungen für Batterien von E-Autos. Und neben unserem Kerngeschäft mit Leichtfahrzeugen liefern wir neu auch an LKW-Hersteller. Das hat unter anderem unser Geschäft in Brasilien angetrieben und könnte dort zu einem neuen Standort führen. Wir haben dazu aber noch keine Entscheidung gefällt.

AWP: Durch den Iran-Krieg steigen auch bei Ihnen derzeit gewisse Kosten, etwa bei ölbasierten Rohstoffen. Wie einfach ist es, diese den Kunden weiterzugeben?

ES: Wir versuchen primär, jede Preiserhöhung von Rohstoffen durch Kostensenkungsmassnahmen auszugleichen. Zum Beispiel versuchen wir, kostengünstigere Materialien zu finden oder mit unseren Lieferanten neu zu verhandeln. Denn in der Autoindustrie ist der Preisdruck hoch. Aber wenn das nicht geht, muss sich der Kunde an den Preiserhöhungen beteiligen. Gerade bei Ländern mit hoher Inflation ist das aber gang und gäbe.