Alltagsgesten bringen dem Klima weniger als viele denken
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Höfner Volksblatt  
3. August 2026

Alltagsgesten bringen dem Klima weniger als viele denken

Menschen schätzen die Wirksamkeit von Klimaschutzmassnahmen systematisch falsch ein. Eine neue Genfer Studie zeigt: Schwache Massnahmen werden überschätzt, sehr wirksame dagegen unterschätzt.

Wer seinen Abfall gewissenhaft trennt, auf Plastikverpackungen verzichtet, weniger Warmwasser nutzt oder beim Drucken Papier spart, glaubt oft, dem Klima einen grossen Dienst zu erweisen, wie die am Montag im Fachblatt „Nature Sustainability“ veröffentlichte Studie belegt. Tatsächlich ist das CO2-Minderungspotenzial solcher Alltagsentscheidungen jedoch eher gering bis mittelmässig.

Die wahren Hebel im Klimaschutz werden hingegen massiv unterschätzt. So bewerten die Menschen die positive Klimawirkung hochgradig effektiver Massnahmen – wie etwa den Verzicht auf Flugreisen, eine rein pflanzliche Ernährung, die Reduktion des Rindfleischkonsums oder den Umstieg auf ein Elektroauto – deutlich zu niedrig.

Für die Studie befragte ein Forschungsteam der Universitäten Genf und Basel insgesamt knapp 3000 Personen in den USA. Die Teilnehmenden mussten detailliert einschätzen, wie viel Prozent der Treibhausgasemissionen einer durchschnittlichen Person durch 34 verschiedene Alltags- und Konsumhandlungen eingespart werden können.

Die Psychologie dahinter

Als Hauptgründe für diese Fehleinschätzungen identifizierte das Forschungsteam zwei psychologische Mechanismen. Zum einen verliessen sich die Menschen auf die sogenannte Verfügbarkeitsheuristik: Massnahmen, die ihnen leicht in den Sinn kamen, schätzten sie als wirksamer ein. „Je mehr eine Aktion in den Medien präsent ist oder in der Schule thematisiert wird, desto leichter fällt sie uns ein und desto eher neigen wir dazu, sie als wirksam einzustufen“, erklärte Erstautor Mario Herberz in einer Mitteilung der Universität Genf zur Studie.

Zum anderen spielte das motivierte Schlussfolgern (Motivated Reasoning) eine Rolle. Der Mensch neigt naturgemäss dazu, sich sein eigenes Verhalten schönzureden, um ein positives Selbstbild zu wahren. So bewerteten auch die Befragten in dieser Studie jene Massnahmen als besonders wirksam, die sie selbst bereits umsetzten.