Das Gehirn kann sich selbst besser heilen als angenommen
Das Gehirn besitzt ungeahnte Fähigkeiten zur Selbstheilung. Forschende der Universität Zürich haben bei Mäusen entdeckt, dass spezielle Stützzellen nachwachsen können, indem ihre Zellkerne in verletzte Hirnregionen wandern.
Lange galt die Annahme, dass das erwachsene Gehirn sogenannte Astrozyten, die etwa durch Verletzungen oder Autoimmunerkrankungen verloren gehen, nicht vollständig ersetzen kann, wie die Universität Zürich (UZH) am Montag mitteilte. Astrozyten versorgen die Nervenzellen mit Nährstoffen und halten das Hirngewebe gesund.
Diese Annahme widerlegte nun eine neue in der Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“ veröffentlichte Studie von Forschenden der UZH. Das Forschungsteam unter der Leitung von Bruno Weber beobachtete dafür die Gehirne lebender Mäuse über mehrere Wochen mit speziellen Mikroskopen.
Dabei entdeckten sie eine spezialisierte Gruppe von Astrozyten. Diese übernehmen am Rand von geschädigten Hirnregionen den Wiederaufbau. „Unsere Ergebnisse offenbaren eine bislang unbekannte Selbstheilungsfähigkeit des erwachsenen Gehirns“, sagte Weber.
Ansatzpunkt für Behandlung
Die Entdeckung erweitert laut den Forschenden das Verständnis dafür, wie sich das Gehirn nach bestimmten Verletzungen selbst regeneriert. Sollten sich die Mechanismen gezielt aktivieren lassen, könnte dies die Reparatur von geschädigtem Hirngewebe verbessern.
Dies wäre insbesondere bei Erkrankungen wie der Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung relevant, bei der körpereigene Antikörper die Astrozyten zerstören. „Wir konnten zahlreiche Gene und Signalwege identifizieren, die während der Reparatur vorübergehend aktiviert werden“, betonte Weber. Diese könnten künftig als Ansatzpunkte dienen, um die Regenerationsprozesse zu beeinflussen.
