Wadephul bei Ukraine-Besuch in Frontnähe
Bundesaussenminister Johann Wadephul (CDU) hat bei seiner Ukraine-Reise die Millionenstadt Charkiw nur etwa 30 Kilometer vor der Frontlinie mit Russland besucht. Dort sprach er an der Universität mit Studentinnen und Studenten, sah sich ein Kraftwerk an, das bereits sechs Mal mit russischen Raketen attackiert wurde und besichtigte ein bereits 2022 stark zerstörtes U-Bahn-Depot. Am „Tag der Staatsflagge“ nahm er zudem an einer Zeremonie an einem der höchsten Fahnenmaste Europas teil, an dem die blau-gelbe Fahne in 101 Metern Höhe weht.
Charkiw wird regelmässig mit russischen Raketen und Drohnen angegriffen. Auch während Wadephuls Besuch gab es mehrfach Luftalarm. Die Bevölkerungszahl von etwa 1,4 Millionen Einwohner hat sich trotzdem seit der Invasion 2022 kaum verändert. Trotz der ständigen Gefahr ist die Industriestadt der erste Anlaufpunkt für viele Binnenflüchtlinge.
Wadephul würdigt Widerstandswillen
Wadephul würdigte bei seinem Besuch den „unheimlichen Widerstandswillen“ der Bewohner Charkiws. Es gebe einen „Geist, der russischen Gewalt zu widerstehen, das Leben aufrechtzuerhalten“. Diesen Geist sollte man mitnehmen nach Europa, sagte er.
Bei seiner vierten Ukraine-Reise war es für Wadephul der erste Besuch in Frontnähe. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte ihm bei einem Treffen in Kiew am Samstag ausdrücklich „für seine bevorstehende Reise in Regionen der Ukraine, in denen die Situation wegen russischen Beschusses schwierig ist“, gedankt. Die ukrainische Führung sieht das als sichtbares Zeichen, dass Deutschland im Abwehrkampf gegen Russland an ihrer Seite steht.
Auch Baerbock war in Charkiw
Das genaue Ziel Wadephuls im Osten der Ukraine war aus Sicherheitsgründen geheim gehalten worden, bis er wieder auf dem Rückweg nach Kiew war. Aufgebrochen war der Minister bereits am Samstagnachmittag nach seinen politischen Gesprächen in der Hauptstadt und hatte auf dem Weg in Poltawa übernachtet. Insgesamt sind es etwa sechs Autostunden nach Charkiw. Besuche von ausländischen Spitzenpolitikern in Frontnähe sind zwar selten. Wadephul war aber nicht der erste, der das Wagnis einging. Seine Vorgängerin Annalena Baerbock war bereits 2023 in Charkiw. Im Folgejahr musste sie einen weiteren Besuch in Frontnähe abbrechen, weil sie von einer Drohne verfolgt wurde.
