Izmir-Bürgermeister wechselt zu Erdogans AKP
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Höfner Volksblatt  
7. Oktober 2026

Izmir-Bürgermeister wechselt zu Erdogans AKP

Der Bürgermeister von Izmir, der drittgrössten türkischen Stadt und langjährigen Hochburg der Opposition, ist der AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan beigetreten.

Mit dem Wechsel von Cemil Tugay wird die islamisch-konservative AKP zum ersten Mal die säkulare Bastion regieren, in der seit 2004 die oppositionelle CHP das Sagen gehabt hatte.

Tugay war im Juni nach einem Gerichtsurteil gegen die Parteiführung aus der CHP ausgetreten und hatte seitdem als Unabhängiger fungiert. Erdogan kündigte den Wechsel bei einem Treffen mit Abgeordneten in Ankara an, wo er Tugay das Parteisymbol ansteckte. Zwei Bezirksbürgermeister aus İzmir waren bereits der AKP beigetreten.

Demonstranten forderten Tugays Rücktritt statt Wechsel zur AKP

Der Wechsel Tugays erfolgt inmitten einer Welle von Festnahmen von CHP-Funktionären und der Absetzung gewählter Bürgermeister im Zuge einer seit Monaten andauernden Ermittlung wegen Korruption. Die Opposition weist die Korruptionsvorwürfe als politisch motiviert zurück. Allein in Izmir wurden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu seit Dienstag 56 Personen, darunter auch Stadtbeamte, festgenommen.

In einer Rede an der Seite von Erdogan verteidigte Tugay seinen Wechsel zur AKP als einen Schritt, um İzmir besser dienen zu können. Zuvor hatte er noch vehement Behauptungen zurückgewiesen, er werde zur AKP wechseln. Bereits Tage vor der offiziellen Bestätigung hatte es Proteste gegeben. Demonstranten forderten Tugay auf, eher als Bürgermeister zurückzutreten, anstatt während seiner Amtszeit die Partei zu wechseln.

CHP immer mehr gespalten

İzmir ist der jüngste Fall in einer Reihe von Parteiaustritten aus der CHP seit der Festnahme des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoglu im März 2025, der laut Umfragen lange ein aussichtsreicher Gegenkandidat zu Erdogan gewesen war. Die Partei ist zudem gespalten: Der ehemalige Parteivorsitzende Özgür Özel gründete die Neue Partei (Yeni Parti), der sich 90 Abgeordnete anschlossen.

Am Vorabend der Zeremonie zu Tugays Wechsel wandte sich Özel auf der Plattform X an Erdogan: „Sie haben Izmir nie an der Wahlurne gewonnen, und das werden Sie auch nie tun.“ Er warf der AKP vor, Tugays Unterschrift „unter Drohungen“ erzwungen zu haben, und bezeichnete den Wechsel als „neues Schandbild“.