Bulgariens Staatschefin Jotowa kämpft um Wiederwahl
Im EU- und Nato-Land Bulgarien hat eine Präsidentschaftswahl begonnen. Es bewerben sich 27 Kandidatinnen und Kandidaten um das höchste Staatsamt.
Amtsinhaberin Ilijana Jotowa ist allen Umfragen zufolge klare Favoritin, für sie werden mehr als 40 Prozent der Stimmen vorausgesagt. Für einen Sieg schon im ersten Wahlgang wären allerdings mehr als 50 Prozent nötig.
„Ich glaube tief daran, dass es Frieden, dass es Stabilität und dass es Sicherheit geben muss“, sagte Jotowa, nachdem sie ihre Stimme in Sofia abgegeben hatte.
Die frühere sozialistische EU-Abgeordnete und Journalistin wird von der allein regierenden Mitte-Links-Partei Progressives Bulgarien (PB) von Ministerpräsident Rumen Radew unterstützt. Die 62-Jährige löste Radew nach dessen Rücktritt vom höchsten Staatsamt im Januar 2026 ab.
Konsequent prowestlicher Herausforderer
Jotowa wird vom konsequent prowestlichen Ex-Interimsregierungschef Andrei Gjurow herausgefordert. Als Kandidat des liberal-konservativen Oppositionslagers käme er Prognosen zufolge im ersten Wahlgang mit bis zu 28 Prozent auf Platz zwei. Der 50-jährige promovierte Ökonom rechnet mit regierungskritischen Stimmen.
Gjurow sagte nach der Stimmabgabe in einem Wahllokal in seiner Geburtsstadt Blagoewgrag: „Wir wollen ein Bulgarien, das nach vorn schaut, dass europäisch, frei und stolz ist“, erklärte er laut Medienberichten.
Der Bewerber der prorussischen und nationalistischen Wasraschdane (Wiedergeburt), Kosradin Kostadinow, dürfte mit erwarteten rund 12 Prozent auf Platz drei landen. Wasraschdane gehört im Europaparlament zur selben Fraktion wie die AfD.
Politologen erwarten Stichwahl
Keine Bewerberin oder kein Bewerber für das höchste Staatsamt dürfte den Umfragen zufolge beim ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit erreichen, um gewählt zu werden. Politologen sehen eine Stichwahl zwischen Jotowa und Gjurow als sicher an. Diese ist schon für den 1. November geplant.
Die Wahlbeteiligung lag um 11.00 Ortszeit laut Angaben der Zentralen Wahlkommission (ZIK) bei 5.8 Prozent. Rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte können bis 19.00 Uhr MEZ (20.00 Ortszeit) ihre Stimme abgeben. Mit offiziellen Ergebnissen ist bis zu 48 Stunden nach Wahlschluss zu rechnen.
Wahl vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs
Linke und rechte Herausforderer von Amtsinhaberin Jotowa kritisieren die Haltung der Mitte-Links-Regierung in Sofia zum Ukraine-Krieg entweder als antirussisch oder als nicht konsequent genug gegenüber Russland.
Der Ukraine-Krieg tobt nur wenige Hundert Kilometer von Bulgarien entfernt. Vor der bulgarischen Schwarzmeerküste waren im Oktober vier Handelsschiffe mutmasslich von Drohnen getroffen worden. Zudem wurden nahe der Hauptstadt Sofia Antennen des Satelliteninternetdienstes Starlink in Brand gesetzt, dessen Netz wichtiger Bestandteil der ukrainischen Verteidigung im russischen Angriffskrieg ist.
