Kampf für die Zürcher Brauerei Hürlimann blieb erfolglos
Am 29. Oktober 1996 brach das Ende einer Bier-Ära in Zürich an: Die Feldschlösschen-Hürlimann Holding kündigte die Schliessung der Brauerei Hürlimann an. Demonstrationen der Angestellten blieben erfolglos.
Des Ende des Schweizer Bierkartells 1991 löste auf dem einheimischen Biermarkt grosse Umwälzungen aus. 56 Jahre lang hatten wenige Grossbrauereien den Markt untereinander aufgeteilt. Nur wenige Kleinbrauereien und der Detailhändler Denner sträubten sich lange dagegen.
Nach dem Ende, das mit dem Austritt der Grossbrauereien Sibra (Cardinal), Feldschlösschen und Hürlimann besiegelt wurde, ging es rasant bergab mit den heimischen Grössen. Haldengut und Calanda schlossen sich zusammen. Das verhinderte nicht, dass der holländische Riese Heineken die Brauereien aus Winterthur und Chur 1993 kaufte.
Die Aargauer Brauerei Feldschlösschen nahm sich, was der Markt hergab: Warteck, Valaisanne, Cardinal – und liess damit zumindest die meisten Marken überleben. Die Standorte wurden aber häufig geschlossen. 1996 kam es dann zur Fusion mit Hürlimann. 1835 war die Brauerei in Feldbach am Zürichsee gegründet worden. 1997 war es vorbei mit dem Brauen im Zürich.
80 Stellen bleiben erhalten
Die damalige Nummer drei der Schweizer Brauereien bestätigte im Frühling 1996, einen Partner zu suchen. Der rückläufige Bierkonsum und steigender Preis- und Margendruck hätten dies nötig gemacht. Am 14. Mai 1996 kam es zur Fusion mit Feldschlösschen.
Die Kräfteverhältnisse waren klar verteilt: Die Rheinfelder Brauerei hatte einen Marktanteil von 46 Prozent, Hürlimann nur 7. Erfolglos wehrte sich Martin Hürlimann, der letzte Teilhaber der Gründerfamilie, gegen die Fusion.
Nur wenige Monate später, am 29. Oktober 1996, kündigte Feldschlösschen dann die Verlegung der Bierproduktion nach Rheinfelden an. 230 von 269 Arbeitsplätzen sollten gestrichen werden. Es kam zu mehreren Demonstrationen. Vorübergehend blieben noch 80 Stellen erhalten.
Eher zahmer Widerstand
Im Vergleich zum Widerstand in Freiburg gegen die zum selben Zeitpunkt angekündigte Schliessung der Brauerei Cardinal erscheint der Protest in Zürich harmlos. Während in Freiburg 10’000 Personen auf die Strasse gingen, die Kantonsregierung protestierte und Wirte Feldschlösschen-Produkte boykottierten, fanden sich in Zürich einige Hundert ein, etwa am 21. November, als der damalige Stadtpräsident Josef Estermann (SP) von den „Feldherren von Feldschlösschen“ sprach. Dem durchschnittlichen Zürcher schien es nebensächlich zu sein, woher sein Bier kommt.
Am 6. November waren es rund 150 Angestellte, die auf dem Brauerei-Gelände demonstrierten. Die Hürlimann-Belegschaft und Gewerkschaftsvertreter hatten die Zugänge des Areals ab 3 Uhr blockiert. Gegen 8 Uhr formierte sich ein Protestumzug vom Stauffacher zur Brauerei an der Brandschenkestrasse in Zürich-Enge.
Gegen 10 Uhr marschierte der Protestumzug weiter vor das Stadthaus, wo den Passanten Freibier verteilt und den Stadtratsmitgliedern Hürlimann-Bier mit weissen Etiketten sowie eine Bittschrift mit 150 Unterschriften übergeben wurden, wie die Nachrichtenagentur SDA damals schrieb. An der Kundgebung zuvor fehlte die Stadtregierung. Laut Estermann wegen einer Informationspanne.
Baden statt Brauen
Hürlimann wird noch immer bei Feldschlösschen in Rheinfelden gebraut. Cardinal seit 2011 ebenfalls, allen Widerständen zum Trotz. Und auch Feldschlösschen ist nicht mehr unabhängig. Schon im Jahr 2000 kaufte der dänische Riese Carlsberg die Grossbrauerei. Die grössten unabhängigen Schweizer Brauerei liegen mittlerweile in der Ostschweiz: Schützengarten in St. Gallen und Locher in Appenzell.
In Zürich gilt Turbinenbräu heute als grösste Brauerei. Zuletzt gab es aber Gerüchte über einen möglichen Verkauf. Das Hürlimann-Areal in Zürich entwickelte sich weiter: Unter anderem beherbergt es heute ein beliebtes Spa mit bester Aussicht vom Pool auf dem Dach.
