Filmemacherin Mira Nair am Filmfestival in Genf im Rampenlicht
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Höfner Volksblatt  
30. Oktober 2026

Filmemacherin Mira Nair am Filmfestival in Genf im Rampenlicht

Die Filmemacherin Mira Nair lebt zwischen Indien, Uganda und den USA. Für ihre Flme wurde sie bereits hoch dekoriert – und sie ist die Mutter des New Yorker Bürgermeisters. Jetzt kommt sie nach Genf, wo sie das dortige Filmfestival für ihr Lebenswerk auszeichnet.

Lange bevor Mira Nairs Sohn Zohran Mamdani am 1. Januar dieses Jahres das Bürgermeisteramt der grössten Stadt der Vereinigten Staaten übernahm, war sie bereits eine unumstrittene Grösse im Filmschaffen. Bereits mit ihrem ersten Spielfilm „Salaam Bombay!“ hat sie 1988 die Goldene Kamera in Cannes gewonnen; im Jahr darauf folgte die Nominierung für einen Oscar. Als erste indische Regisseurin erhielt sie 2001 in Venedig den Goldenen Löwen für „Monsoon Wedding“.

Indien zwischen Tradition und Moderne

In vielen ihrer Filme thematisiert Nair, die 1957 in Indien geboren wurde, die indische Gesellschaft und deren Veränderungen. Es geht aber auch um Verhältnisse in den USA. Beispielhaft ist „The Reluctant Fundamentalist“ (2012) über die Islamophobie in den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 oder „The Namesake“ (2006), der die Folgen von Entwurzelung und Integration für die indische Identität beleuchtet.

Mira Nair hat zunächst Soziologie studiert und dann hinter die Kamera gewechselt. Zunächst hat sie Dokumentarfilme gedreht bis sie mit „Salaam Bombay!“ im Spielfilm debütierte. Der Film ist eine unsentimentale Chronik des Lebens von Strassenkindern in der indischen Megastadt. Drei Jahre später folgte „Mississippi Masala“ mit Denzel Washington und Sarita Choudhury; der Film erzählt die Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau indischer Herkunft und einem Afroamerikaner aus Mississippi.

„Monsoon Wedding“ thematisiert vor dem Hintergrund einer Hochzeit sexuelle Gewalt, Klassenunterschiede und die Widersprüche eines Indiens, das zwischen Traditionen und Globalisierung hin- und hergerissen ist.

Ihr Ziel sei es, dass diejenigen, die ihre Filme sehen, ihr eigenes Leben mit anderen Augen betrachten und dass diejenigen, die lange Zeit als „die Anderen“ galten, „genauso menschlich wie jeder andere“ erscheinen, sagte sie einmal. Politisch setzt sie sich für ein Kino ein, das den Westen nicht mehr als Vermittler benötigt: „Diese Zeit ist vorbei“, erklärte sie 2023 in Bezug auf ihren Blick auf Indien und die Diaspora.

Berühmter Sohn

Ihr einziger Sohn Zohran Mamdani wurde 1991 in Kampala in Uganda geboren, zu einer Zeit als sie bereits den internationalen Durchbruch in der Filmwelt geschafft hatte. Sein Vater ist der Wissenschaftler Mahmood Mamdani. Mit Zohran Mamdamis Amtsantritt als erstem muslimischen Bürgermeister von New York geriet die Familie ins Rampenlicht.

Die 32. Ausgabe des Giff zeigt nun während der gesamten Festivaldauer vom 30. Oktober bis 8. November eine Auswahl ihrer Werke. Am 31. Oktober wird sie selber im Rahmen eines moderierten Gesprächs auftreten.

Zudem stellt das Giff mit über 110 Filmen das Schweizer Schaffen ins Zentrum. Erwartet wird etwa die Filmemacherin Petra Volpe mit ihrem jüngsten Werk „Frank & Louis“, das gerade in den Deutschschweizer Kinos gestartet ist. Darüber hinaus steht das Festival in Genf dafür, dass es Kino, Serien und immersive Formate gleichermassen ins Programm nimmt.

Und: Mit Emilie Bujès hat das Giff seit August 2026 eine neue Leitung. Bujès hatte zuvor neuen Jahre lang das Domumentarfilmfestival „Visions du Réel“ in Nyon geleitet. Die künstlerische Leitung wird sie allerdings erst für die Ausgabe 2027 übernehmen; die aktuelle Ausgabe verantwortet noch ihre Vorgängerin Anaïs Emery.