Bitcoin-Suisse-CEO sieht abnehmende Rolle von Krypto in der Schweiz
Die Bedeutung der Schweiz als Kryptostandort ist aus Sicht von Bitcoin Suisse in den letzten Jahren geschrumpft. Auch die Politik zeige kaum noch Interesse an dem Thema, sagt CEO Andrej Majcen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Die Firma richtet sich neu aus.
Bitcoin Suisse habe in den letzten Jahren analysiert, wo die Krypto-Adoption weltweit stattgefunden habe und wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen entwickelt hätten, sagt Majcen. „Auf dieser Rangliste findet sich die Schweiz nicht mehr weit oben.“
Deshalb verlagert das Unternehmen, das als zentraler Pfeiler des „Crypto Valley Zug“ gilt, nun zahlreiche Aktivitäten und Stellen ins Ausland. In der Schweiz fallen dabei 60 von 120 Stellen weg, wie im September bekannt wurde.
Bitcoin Suisse positioniere sich als „internationaler Finanzdienstleister“ und richte sich stärker auf die Vermögensverwaltung für institutionelle und vermögende Privatkunden aus, erklärt Majcen. Ausserdem will das Unternehmen mit den Verlagerungen seine Kosten deutlich verringern.
„Langfristig macht unsere hohe Kostenbasis in der Schweiz einfach wenig Sinn“, sagt Majcen. So würden etwa Backoffice-Aufgaben am Unternehmensstandort im slowakischen Bratislava mit teilweise 60 bis 70 Prozent tieferen Lohnkosten erledigt.
Einstiger Dreh- und Angelpunkt
Noch in den 2010er Jahren galt das „Crypto Valley Zug“ als einer der Dreh- und Angelpunkte der Kryptowelt. So war der – mit Unterstützung von Bitcoin Suisse durchgeführte – Token-Verkauf der in Zug ansässigen Ethereum-Stiftung das „Muster“ für den ICO-Boom („Initial Coin Offering“). Dieser erreichte im Jahr 2017 den Höhepunkt, dabei flossen Milliardenbeträge an Kryptofirmen.
„In Zug konnte man damals ja in kein Restaurant gehen, ohne irgendwelche Krypto-Leute anzutreffen“, erzählt Majcen. Angesagt war Krypto auch in der Politik: Damalige Bundesräte wie Ueli Maurer und Johann Schneider-Ammann machten sich für den Krypto-Standort Schweiz stark und auch die Finanzmarktaufsicht Finma zeigte sich unter ihrem damaligen Chef Mark Branson ausgesprochen innovationsfreundlich.
Im Gegensatz dazu sei in den letzten fünf bis sechs Jahren in der Schweiz nur noch wenig geschehen, stellt Majcen fest. „Wir haben gemerkt, dass Krypto in der Schweiz keine Priorität hat.“ Zur gleichen Zeit hätten andere Marktplätze im Ausland ihre eigenen regulatorischen Rahmenbedingungen gesetzt.
Auch im Bundeshaus gebe es spätestens seit der UBS-CS-Thematik kaum noch Unterstützung für das Thema, so Majcen. „Es interessiert einfach kaum noch jemanden.“
Aufarbeitung von Angriff auf Binance
Vom jüngsten Milliardendiebstahl an der Kryptobörse Binance erwartet der Bitcoin-Suisse-CEO keinen längerfristigen Vertrauensverlust in die Branche. Der Vorfall betreffe die operative Sicherheit eines einzelnen Unternehmens, so Majcen. Er liefere keine neuen Erkenntnisse über die zugrundeliegende Technologie selbst.
Vergangene Woche hatten vermutlich nordkoreanische Hacker Kryptowährungen im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar von der weltgrössten Kryptobörse gestohlen. Binance hat inzwischen rund 95 Prozent der gestohlenen Kundengelder aus eigenen Reserven ersetzt.
„Wenn ich mir die bisherige Kommunikation des Binance-Teams anschaue, habe ich grosses Vertrauen, dass der Vorfall transparent aufgearbeitet wird und die relevanten Erkenntnisse offengelegt werden“, sagt Majcen.
