Wie gefährlich ist „Faktor M“? Konferenz zu toxischer Männlichkeit
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Höfner Volksblatt  
2. November 2026

Wie gefährlich ist „Faktor M“? Konferenz zu toxischer Männlichkeit

Einer neuen Studie zufolge vertritt jeder fünfte Mann in der Schweiz ein dominantes Männlichkeitsbild. Um das Phänomen besser zu verstehen, wollen Fachpersonen, Bund, Kantone und Gemeinden eine gemeinsame Wissensbasis schaffen.

Am (heutigen) Montag findet dazu in Bern eine nationale Konferenz statt. Die Ergebnisse der im Juni von der Universität Zürich und dem Verein mencare/männer.ch veröffentlichten Studie zeigten, dass 20 Prozent der befragten Männer und 7 Prozent der befragten Frauen der Vorstellung einer auf Dominanz basierenden Männlichkeit anhingen.

Der in der Studie gemessene „M-Faktor“ bezeichnete eine Reihe von Einstellungen, die verschiedene restriktive Vorstellungen von Männlichkeit und Geschlechterbeziehungen umfassten. Das Konzept war mit Ansprüchen auf männliche Überlegenheit, einer Neigung zu Gewalt, Misogynie, der Verachtung sexueller Minderheiten und der Ablehnung von Gleichheit verbunden.

Das Phänomen betraf besonders junge Männer. Die Hälfte der Männer zwischen 18 und 24 Jahren sorgte sich um die zunehmende Marginalisierung der „wahren Männer“ in der Gesellschaft. Und fast jeder dritte Mann in dieser Altersgruppe gehörte zu der Gruppe mit den höchsten Werten.

„Ein junger Mensch in der Identitätsfindung werde von dieser Weltsicht beeinflusst, destabilisiert und geprägt“, analysierte Gilles Crettenand, Leiter von mencare/männer.ch in der Westschweiz, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Nationale Konferenz

Bundesrat Beat Jans, Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, wird zusammen mit den Regierungsrätinnen Jacqueline Fehr (Zürich) und Nathalie Fontanet (Genf) die nationale Konferenz „Achtung Manosphäre!“ eröffnen. Auf dem Programm stehen Podiumsdiskussionen, Präsentationen und Gespräche

Ziel der Konferenz ist es, eine gemeinsame Wissensbasis zu schaffen und Informationen zu vermitteln, die ein besseres Verständnis der Dimensionen und Dynamiken maskuliner Gewalt und Radikalisierung ermöglichten. Dazu werden sich Akteure vor Ort, Spezialistinnen und Spezialisten sowie Vertreterinnen und Vertreter des Bundes, der Kantone und der Gemeinden über ihre Erfahrungen und Kenntnisse austauschen.

Eine nationale Zusammenarbeit sei unerlässlich, betonte Crettenand. Der Wandel der sozialen Geschlechternormen sei multifaktoriell. Man müsse auf allen Ebenen gleichzeitig etwas tun. Wichtige Achsen seien: Prävention und Gesundheitsförderung (insbesondere in der Schule) sowie Sicherheit (mit den Polizeikorps). Diese Achsen seien komplementär, daher müsse man Verbindungen schaffen und ein Kompetenznetzwerk entwickeln, so Crettenand weiter.

Instrumente zur Prävention

Das Kompetenzzentrum „Männer und Männlichkeiten“ organisiert Schulungen für Fachleute aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung oder Sicherheit. Der Kanton Zürich ist hier sehr aktiv. Genf und die Westschweizer Kantone geben inzwischen Gelder für Aktionsprogramme frei.

Crettenand betonte die Notwendigkeit, Eltern, Lehrpersonen, aber auch die direkt Betroffenen – Schülerinnen und Schüler, Mädchen oder Jungen – zu informieren und zu schulen. Es sei wichtig, den Aktionsplan in möglichst vielen Kantonen zu entwickeln.