Polizei räumt Protestcamp gegen Wohnungsnot in Madrid
Die Polizei hat ein seit mehr als fünf Wochen bestehendes Protestcamp gegen die Wohnungsnot im Zentrum von Madrid geräumt.
Bei dem Einsatz, der gegen 3.00 Uhr begann, wurden zwei Personen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen, wie die Delegation der Zentralregierung in der Region Madrid mitteilte.
Die Räumung auf der Puerta del Sol verlief demnach aber friedlich und „ohne Zwischenfälle“. An dem Einsatz waren 400 sowie Feuerwehr und Sozialdienste beteiligt. Insgesamt seien 334 Menschen vom Platz gebracht worden, hiess es.
Die Protestbewegung warf der Polizei dagegen ein gewaltsames Vorgehen und den Einsatz von Pfefferspray vor. Mehrere Menschen seien verletzt worden, hiess es. Einige Teilnehmer beklagten, dass sie nicht einmal ihre persönlichen Gegenstände hätten mitnehmen dürfen.
Rentnerin Maricarmen wurde zum Symbol der Wohnungsnot
Die Behörden verteidigten den Einsatz als letztes Mittel. Die ursprünglich auf den Protest gegen die Wohnungsnot ausgerichtete Aktion habe ihren Charakter verändert.
Mehrere organisierende Gruppen hätten sich zurückgezogen, während unter anderem zunehmend Obdachlose auf dem Platz übernachteten. Zudem habe es mutmassliche Straftaten im Camp und dessen unmittelbarer Umgebung gegeben.
Rund 600 Menschen hatten die Puerta del Sol seit Freitag bereits freiwillig verlassen. Ein Teil der verbliebenen Obdachlosen hatte sich zu einer eigenen Vereinigung zusammengeschlossen und wollte die Besetzung fortsetzen.
Die Delegation hatte die Demonstranten vergangene Woche zum Abbau des Camps aufgefordert. Die Bewegung will ihre Arbeit nun verstärkt in die Stadtviertel verlagern und mobilisiert zudem für einen Generalstreik am 11. November.
Das Protestlager war am 26. September nach einer Demonstration für das Recht auf bezahlbaren Wohnraum entstanden. Auslöser war die Zwangsräumung der Wohnung von Maricarmen Abascal in Madrid.
Die 87-Jährige, die sieben Jahrzehnte zur Miete in derselben Wohnung gelebt hatte, starb wenige Tage später im Krankenhaus. Ihr Schicksal wurde zum Symbol für die Proteste gegen die Wohnungsnot in Spanien.
