12824Standpunkt September
SZKB Standpunkt
US-Zinskurve: Finger in der Waagschale
Freie Finanzmärkte oder staatliche Steuerung? Hochentwickelte Länder beantworten die Frage zugunsten des Markts: Je freier sich ein Markt entwickelt, desto «effizienter» sind die Preise, zum Vorteil aller Marktteilnehmenden. Der Staat hat im Gegenzug nicht immer die richtigen Informationen, unklare Anreize oder politische Gründe für die Einflussnahme. In der Vergangenheit sind prominente Ideen wie fixe Wechselkurse, künstlich tiefe Zinsen und politisch beeinflusste Notenbanken gescheitert und haben Wohlstand vernichtet. Denn solche Steuerungsmassnahmen bieten gut informierten und risikobereiten Akteuren − etwa Hedge-Fonds − die Möglichkeit für grosse Gewinne. Das berühmteste Beispiel ist wohl der «Quantum Fund» von George Soros, der 1992 erkannte, dass das britische Pfund im europäischen Währungssystem (EWS) überbewertet war. Der Fonds positionierte sich für fallende Kurse. Kurz darauf musste die Bank of England das Pfund stark abwerten; das Ende des EWS war eingeläutet. Ob der Fonds das Pfund − wie oft behauptet − «ausgehebelt» hat, ist aus heutiger Sicht umstritten. In jedem Fall hat er einen Milliardengewinn einstreichen können.
Insofern überrascht es, dass der damalige Soros-Mitarbeiter und heutige USFinanzminister Scott Bessent jüngst genau solche Steuerungsmassnahmen beschlossen hat: Einerseits beabsichtigt er, die Zinskurve des US-Dollars zu beeinflussen. Dazu hat er angekündigt, die Rückkäufe langlaufender Staatsobligationen und die Ausgabe kurzfristiger Schuldscheine deutlich zu verstärken. Ausserdem hat er ein umfangreiches Stützungsprogramm für den japanischen Yen beschlossen. Der US-Staat hat dazu Euro verkauft und Yen gekauft.
Es ist nachvollziehbar, dass Bessent die Last der enormen Staatsschulden reduzieren will. So hat der Schuldenberg kürzlich die Schwelle von USD 40 Bio. überschritten; die Schuldzinsen übersteigen mittlerweile das Militärbudget. Dennoch werfen die Massnahmen Fragen auf: Künstlich tiefe Zinsen im wichtigsten Obligationenmarkt und manipulierte Wechselkurse rufen Hedge-Fonds auf den Plan. Ein Blick in die Vergangenheit deutet an, dass der Staat am Ende wiederum als Verlierer dastehen dürfte.
Abgesehen davon sind wir überzeugt, dass sich die Konjunktur vielerorts resilient bleibt und die Wirtschaft an Dynamik gewinnt. Aus diesem Grund halten wir zyklische Aktienmärkte für attraktiv. In unseren Portfolios haben wir daher den brasilianischen Aktienmarkt übergewichtet, zulasten des eher defensiven britischen Markts.
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Renditen 30-jähriger Staatsanleihen
(01.01.2008 bis 03.09.2026; in % / Quelle: Bloomberg, SZKB)
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Thomas Rühl
Chief Investment Officer Leiter Research
