Ragettlis Sammlung bleibt unvollendet
Sport
10. Februar 2026

Ragettlis Sammlung bleibt unvollendet

Zum zweiten Mal in Folge der undankbare 4. Rang: Andri Ragettli bleibt die olympische Medaille verwehrt. Obwohl es diesmal deutlicher ist als vor vier Jahren, zeigt sich der Bündner bitter enttäuscht.

Die Szenen gleichen sich. Wie schon in Peking braucht Ragettli einige Minuten für sich, ehe er bereit ist, in die Mikrofone zu sprechen. So sehr hatte sich der Weltmeister, zweifache X-Games-Sieger und vierfache Kristallkugel-Gewinner gewünscht, den letzten fehlenden Platz in seiner Medaillensammlung zu füllen. Nun bleibt dieser Traum unerfüllt. Er sei angetreten, um seinen Vater im Himmel stolz zu machen, sagt der 27-jährige Freeskier im SRF-Interview. «Heute ist es nur ein 4. Platz, aber ich denke, er ist trotzdem stolz auf mich.»

Einige Minuten später ist Ragettli etwas gefasster, aber immer noch emotional: «Die Menschen, zu denen ich aufschaue und die ich inspirierend finde, sind nicht jene, bei denen immer alles perfekt läuft. Es sind die, die immer weiterkämpfen», sagt er im Zielbereich von Livigno, unweit seiner Heimat. «Und genau das habe ich mir geschworen: Ich gebe nicht auf, ich kämpfe weiter. Auch jetzt. Aber ist es einfach? Nein.»

Härter denn je trainiert

Besonders schwer fällt ihm die Enttäuschung, weil er seinen Fokus seit Langem voll auf die Olympischen Spiele gerichtet hatte. Der ohnehin als akribisch geltende Athlet trainierte noch intensiver, um sein absolutes Topniveau zu erreichen. In der Vorbereitung gönnte er sich praktisch keine Pause. Trainer Dominik Furrer sagte im Januar über ihn: «Er ist mehr als parat. Es ist eindrücklich, wie viel er investiert hat.»

Ragettli zeigte denn auch einen guten Run. Am Ende war das Top-Trio für ihn jedoch ausser Reichweite. Zudem musste der Neuseeländer Luca Harrington, der im dritten Durchgang noch am Schweizer vorbeizog, eine aussergewöhnliche Leistung abrufen. «Das Niveau in dieser Sportart ist am Limit, die Schwierigkeitsgrade sind brutal», sagt Ragettli, der bei seinem letzten Versuch genau wusste, dass für das Podest nun alles passen musste. «Wir versuchen immer, noch mehr herauszuholen. Und dann passieren eben solche Fehler wie bei mir am Schluss.»

Nun steht die Verarbeitung an

Er brauche nun Ruhe und Zeit für sich, um den geplatzten Traum zu verarbeiten. «Morgen schaue ich, was der Plan ist und wie es weitergehen soll.» Damit lässt er offen, ob er vielleicht doch noch im Big Air antreten wird. Diese Disziplin hatte er in der Vorbereitung bewusst ausgelassen, um sich ganz auf den Slopestyle zu konzentrieren, der immer seine erfolgreichere Disziplin war. Allerdings gewann er 2021 an den X-Games auch im Big Air Gold und kann dort insgesamt neun Weltcup-Podestplätze vorweisen (24 im Slopestyle).

«Das steht im Moment an letzter Stelle meiner Gedanken», sagt Ragettli auf den Big Air angesprochen. «Zuerst muss ich den Slopestyle verdauen. Und ich bin ehrlich: Ich spüre meinen Körper. Die letzte Zeit war extrem streng.» Nach Niederlagen wieder aufzustehen, gehört zu Ragettlis Mantras. Auch diesmal wird er etwas Zeit brauchen – und dann weitermachen.